Watzmann 2007

Der Rußheimer „Watzmann“

 

Ein echter Watzmann-Fan kann nicht genug kriegen und will „ihn“ wieder und wieder sehen! Was aber, wenn „er“ gerade nirgends in der Gegend aufgeführt wird, was dann? Da gibt es nur eine Möglichkeit: Den „Watzmann“ selbst aufführen! … „‚Live“’ in Rußheim!

 

Im Dezember 2006 kam mir zum ersten Mal die Idee, dieses rustikale, „etwas andere“ Musical von Ambros/Tauchen/Prokopetz in Rußheim zu inszenieren. Die Mitglieder meiner damaligen Band „The Roadies“ kannten „Der Watzmann ruft“ zwar alle nicht wirklich, dank der beiden Live-DVDs gelang es mir jedoch im Nu, diese Wissenslücke zu schließen. Der Funke sprang sofort auf meine Freunde über und schon waren auch sie vom Watzmann-Fieber erfasst.

Schnell waren die Aufführungsrechte gesichert und ich konnte ich mit der Bearbeitung des Manuskripts beginnen.

 

Da war allerdings noch ein Pferdefuß: Die Roadies waren seinerzeit 7 Mann - für dieses Spektakel sind aber mehr als doppelt so viele Personen erforderlich.

Ich „brainstormte“ und kam zu dem Entschluss, die Roadies zu ‚splitten’:

Eine Hälfte sollte den musikalischen Teil übernehmen, die andere Hälfte sollte ‚schauspielern’. Schnell entstanden in meinem Kopf erste Ideen, wer welchen Charakter spielen könnte. Herbse hatte ich als Bauer auserkoren, Volker als Bua und Harry als Erzähler. Viel später erst, bei den ersten Sprechproben, bekam ich Zweifel und tauschte die Rollen. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Herbse spielte den etwas unterbelichteten Bua mit göttlicher Unschuldsmiene – und Volker legte den besten Bauer aller Zeiten aufs Parkett!

 

Aber zurück an die Anfänge. Es galt, eine leistungsfähige Band zusammenzustellen, was mir mittels einiger Telefonate schnell gelang: Alte musikalische Wegbegleiter der Roadies – Rico und Dagi - sagten ohne lange zu überlegen zu, obwohl sie nicht wussten, auf was sie sich einließen. Aber sie haben es nicht bereut.

 

Schwieriger war es die Schauspieltruppe aufzustocken, da kam mir das Naheliegende in den Sinn: Musik zu Musik … Warum nicht beim Nachwuchs des Rußheimer Musikvereins mal ‚anklopfen’?

Dort empfingen mich interessierte Gesichter, welche nach meiner Erläuterung des geplanten Projekts – und einem gemeinsamen Videoabend des „Watzmanns“ bei Herbse ins Strahlen übergingen. Und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Aus dem anfänglichen reservierten Nebeneinander wurde später dann beim Proben alsbald ein homogenes Miteinander, welches schließlich in Freundschaft endete. Und das merkte man, nach den 8 Monaten intensiver Proben dem Stück an.

Helena, Vanessa und Bianca,  drei Jungmusikerinnen um die 18 und Ralph, der seinerzeit älteste „Jungmusiker“ der Welt (als Gailtalerin) waren nun Bestandteil des am Ende 20-köpfigen Gesamt-Ensembles.

Ich musste aber noch weiter „hausieren“ gehen, nicht alle Rollen konnten durch die Bläserjugend besetzt werden. Die Knechte fehlten noch. Bernd, ein alter Freund, der in Eggenstein wohnt, war schnell überzeugt, dass er der ideale „Buckelknecht“ ist. Einzig der Rauchknecht fehlte noch. Ein favorisierter Franke aus Rußheim, den ich ansprach, sagte tatsächlich kurzerhand zu, bekam aber nach einer darüber geschlafenen Nacht kalte Füße oder Angst vor dem eigenen Mut und sagte einen Tag darauf schweren Herzen wieder ab ... Er gab mir allerdings einen „heißen“ Tipp. Robert, ein Freund von ihm aus Graben, wäre „Watzmann-Fan“ und könne ihn fast aufwendig. Das war natürlich nicht so, aber schon beim ersten Handschlag wusste ich: „Das wird was!“ Und so war es.

Wir trafen uns dann alle zusammen und ich wies darauf hin, dass dieses Event nicht einfach zu proben sein werden würde und die angesetzte Probenzeit von etwa 8 Monaten, enorme private Einschränkungen für alle Beteiligten mit sich bringen würde. Ganz zu schweigen vom Bühnenbild: Eine Hütte und ein Hochsitz mussten gebaut werden – und vor allem: Kein „Watzmann“ ohne Watzmann – sprich das Watzmann-Massiv auf übergroßer Leinwand, die die ganze Rückwand ausfüllen muss. Doch Ralph ist Zimmermann und auch noch ein guter Pinselschwinger. Er baute die Hütte, Herbse als Schreiner den Hochsitz und Ralph und Helena malten zusammen den unglaublich tollen Watzmann mitsamt einem gigantischen Wald an der Seite. Ja, die beiden haben sich selbst übertroffen. Caspar David Friedrich wäre sowas von stolz auf sie!

 

Trotz immer wieder aufkeimender Selbstzweifel, welche depressive Schübe auslösten, „passte“ am Ende alles und ich konnte alle Rollen und Instrumente mit meinen „Ideal“-Kandidaten besetzen. Dem kulturellen Highlight stand nichts mehr im Wege. Nur 35 Jahre nach seiner Geburt hat es dieses Werk endlich auch auf eine Rußheimer Bühne geschafft. Und wir performten letztendlich ein einzigartiges Spektakel

 

Zunächst galt es aber, die laufende Faschingskampagne des Dettenheimer Carnevals Clubs, bei der die „Roadies“ als „Desperados“ seit einigen Jahren fester Bestandteil waren, noch zu absolvieren.

 

Ich war von Anfang an überzeugt, dass der „Watzmann“ eine große Fangemeinde auch in unserer Region hat und dass wir deshalb auch das Musikerheim 3 Mal „voll“ bekommen würden – aber nicht jeder war so optimistisch. Dass die 450 Karten für die 3 Aufführungen innerhalb von 14 Tagen ausverkauft sein würden, damit hatte allerdings auch ich nicht gerechnet. So beschlossen wir kurzerhand, eine 4. Aufführung daran zu hängen.

 

Nach fast einem Dreivierteljahr intensiver Proben, bei denen wir alle viel gelacht haben, hatten wir es nun geschafft, Gesang, Schauspiel, Licht, Ton und Tänze zu koordinieren. Archie, ein alter Hase aus der Rußheimer Showbranche half uns zuletzt noch, die Performance zu optimieren und griff uns auch bei den Vorstellungen helfend unter die Arme.

2 Monate vor den Aufführungen dann aber eine Hiobsbotschaft: Rico, unser Schlagzeuger durfte/musste zur Kur – und zwar genau während der Spieltermine. Ich griff noch während der Schockstarre im Musikerheim zum Handy und rief bei Jens, dem Schlagzeuger des Rußheimer Musikvereins „Harmonie“ an. Wenige Minuten später stand er vor mir und reckte den Daumen. Es folgten einige „Power-Proben“, bei denen wir die etwa 20 Lieder in Jens reinprügelten und wir hatten Erfolg: Er legte eine Punktlandung hin und „lieferte“ bereits bei der Generalprobe perfekt ab. Anders hatte ich es aber auch nicht erwartet.

Und so spielten nun im Herbst 2007 Fans für Fans und für solche, die es werden wollten: Für Junge und Alte, für Madl’n und Bua’m, für Schöne und Schiache. Die Spielfreude steckte die Zuschauer an und auch sie hatten mächtig viel Spaß!

 

Und so schließe ich mit dem heiligen Watzmann-Schlachtruf „Hollarähdulliöh!“

 

Bernd Oberacker, 28.08.2015

 

„Der Watzmann ruft“ von Ambros/Tuchen/Prokopetz

(Untertitel: Der Berg und der Mensch – ein ewiger Kampf!)

Ein Bergbauer bewirtschaftet mit drei tanzfreudigen Mägden, zwei hart arbeitenden Knechten und seinem Bua einen Bauernhof am Fuße des Watzmanns. Auf den Menschen lastet eine „unheimliche, nicht greifbare Furcht“ vor dem Berg. Der Berg lockt sie, ihn zu besteigen, es ist so, „als ob er sie manchmal rufen würde“. Doch wer den Verlockungen erliegt, läuft Gefahr, sein Leben zu verlieren, denn „der Berg, der kennt koa Einsehn nit“. Er hat sich schon ein jeden g’holt, den er gerufen hat …

Und es kommt, wie es kommen muss: Ausgerechnet der Bua vernimmt das Rufen. Da taucht auch noch die Gailtalerin, das alte Luder auf und bringt den Buben um seinen letzten klaren Gedanken: Wenn er „auffi“ geht und den Berg unterkriegt, dann kann er sie für immer und ewig haben. Dieses Angebot ist zu verlockend um es auszuschlagen! Ja, und der Bua folgt dem Rufen – und „des tut koa guat net“!

 

Die Entstehungsgeschichte von „Der Watzmann ruft“

 

Entweder man blickt beim Aussprechen des Satzes „Der Watzmann ruft“ in fragende Gesichter oder die Augen des gegenüber beginnen zu leuchten und man erhält als Antwort ein kurzes „Jessas“  oder ein „Hollarähdulliöh!“, oder ein „Wie schallt’s von der Höh?“, „Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg“ oder schon ein semi-professionelles „Auffi, muass i, den Berg untergriag’n!“ … Jeder, der dieses Werk kennt, hat spontan seine individuelle Textzeile parat.

 

Dass dieses Stück einmal ein Dauerbrenner werden würde, haben sich die österreichischen Väter Wolfgang „Ski’foan“ Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz sicher nicht gedacht.

Die Letztgenannten sind zwar vom Namen her den meisten Leuten unbekannt, sie waren aber 1982 Nummer 1 fast aller deutsch-sprachigen Hitparaden. Und zwar zusammen mit Annette „2raumwohnung“ Humpe als Gruppe DÖF [Deutsch-österreichische Freundschaft] mit dem Titel „Codo – und ich düse, düse, düse im Sauseschritt“.

 

Das Stück wurde 1972 von Manfred Tauchen als Bergbauerndrama-Parodie geschrieben und von Wolfgang Ambros zu Liedtexten von Joesi Prokopetz vertont.

Es lief als erstes Live-Hörspiel im österreichischen ORF und die Handlung ist zunächst einmal weder spektakulär noch zum Schenkelklatschen. Es ist nicht die Geschichte selbst, sondern die Art und Weise, die stimmungsvolle Präsentation die einen gefangen nimmt - das Gleichgewicht zwischen Humor und Tragik.

Die Originalfassung war eine Mischung aus Hörspiel und zünftigem Liedgut, eingebettet in einen sphärischen Klangteppich. Es war zunächst 50 Minuten lang und musste gekürzt werden, damit es auf die 2 Seiten einer Langspielplatte passte. [Für die Jüngeren: Eine Langspielplatte ist so ein schwarzes, rundes Ding mit einem Loch in der Mitte, flach wie Pfannkuchen und man legt sie auf einen Plattenspieler, um sie anzuhören].

Eine erste Bühnenaufführung fand bei den Wiener Festwochen 1972 statt.

1974 dann entstand die legendäre Schallplattenversion, welche lange Zeit als Geheimtipp kursierte. Mit über 250.000 verkauften Exemplaren ist dieses deutschsprachige Konzeptalbum eine der erfolgreichsten Aufnahmen der österreichischen Musikszene.

Manfred Tauchen spielte selbst einen Knecht, den Bauern und die legendäre Gailtalerin, welche seither immer traditionell von einem Mann dargestellt wird, während die drei Mägde nach Möglichkeit immer von bildhübschen Mädels gespielt werden.

Eine erste große Deutschlandtournee fand 1982 statt. 1991 folgte die bisher größte Tournee durch Österreich und Deutschland mit einigen neuen Liedern zu Texten von Manfred Tauchen.

Christoph Fälbl spielte den Bua. Während dieser Tournee mit Wolfgang Ambros‘ Band „Die No.1 vom Wienerwald“ wurde die Aufführung im Münchner Circus Krone aufgenommen -  und war kurz darauf auf VHS-Cassette erhältlich. Das zwei Stunden lange Werk trägt den Titel „Watzmann live“. Glücklicherweise wurde bald danach die DVD erfunden (nein, nicht von Wolfgang Ambros!), denn die VHS-Cassette war irgendwann komplett vernudelt.

Und dann ging es schnell. Durch das Aufpeppen der ursprünglichen Tragödie mit witzigen Szenen, mitreißenden Liedern und flotten Tänzen mit hübschen Mägden, entwickelte sich dieser Geheimtipp zu einer Art Live-Blockbuster.

2005 gab es eine Tour mit Klaus Eberhartinger von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung als Gailtalerin. Auch diese Version wurde aufgezeichnet – fürs Fernsehen – ist aber derweil auch auf DVD erhältlich.

 

Die Sage vom König Watzmann

 

Südöstlich von Salzburg streckt, mit ewigem Schnee bedeckt, hoch über sieben niedrigere Zinken ein Berg zwei riesige Zackenhörner gen Himmel, das ist der über neuntausend Fuß hohe Watzmann. Von ihm erzählt das umwohnende Volk aus grauen Zeiten her diese Sage.

 

Einst, in undenklicher Frühzeit, lebte und herrschte in diesen Landen ein rauher und wilder König, welcher Watzmann hieß. Er war ein grausamer Wüterich, der schon Blut getrunken hatte aus den Brüsten seiner Mutter. Liebe und menschliches Erbarmen waren ihm fremd, nur die Jagd war seine Lust, und da sah zitternd sein Volk ihn durch die Wälder toben mit dem Lärm der Hörner, dem Gebell der Rüden, gefolgt von seinem ebenso rauhen Weibe und seinen Kindern, die zu böser Lust auferzogen wurden. Bei Tag und bei Nacht durchbrauste des Königs wilde Jagd die Gefilde, die Wälder, die Klüfte, verfolgte das scheue Wild und vernichtete die Saat und mit ihr die Hoffnung des Landmanns. Gottes Langmut ließ des Königs schlimmes Tun noch gewähren.

 

Eines Tages jagte der König wiederum mit seinem Tross und kam auf eine Waldestrift, auf welcher eine Herde weidete und ein Hirtenhäuslein stand. Ruhig saß vor der Hütte die Hirtin auf frischem Heu und hielt mit Mutterfreude ihr schlummerndes Kindlein in den Armen. Neben ihr lag ihr treuer Hund, und in der Hütte ruhte ihr Mann, der Hirte. Jetzt unterbrach der tosende Jagdlärm den Naturfrieden dieser Waldeinsamkeit; der Hund der Hirtin sprang bellend auf, da warf sich des Königs Meute alsbald auf ihn, und einer der Rüden biss ihm die Kehle ab, während ein anderer seine scharfen Zähne in den Leib des Kindleins schlug und ein dritter die schreckenstarre Mutter zu Boden riss. Der König kam indes nahe heran, sah das Unheil und stand und lachte.

 

Plötzlich sprang der vom Gebell der Hunde, dem Geschrei des Weibes erweckte Hirte aus der Hüttentüre und erschlug einen der Rüden, welcher des grausamen Königs Lieblingstier war. Darüber wütend fuhr der König auf und hetzte mit teuflischem Hussa Knechte und Hunde auf den Hirten, der sein ohnmächtiges Weib erhoben und an seine Brust gezogen hatte und verzweiflungsvoll erst auf sein zerfleischtes Kind am Boden und dann gen Himmel blickte. Bald sanken beide zerrissen von den Ungetümen zu dem Kinde nieder; mit einem schrecklichen Fluchschrei zu Gott im Himmel endete der Hirte, und wieder lachte und frohlockte der blutdürstige König. Aber alles hat ein Ende und endlich auch die Langmut Gottes.

 

Es erhob sich ein dumpfes Brausen, ein Donnern in Höhen und Tiefen, in den Bergesklüften ein wildes Heulen, und der Geist der Rache fuhr in des Königs Hunde, die fielen ihn jetzt selbst an und seine Königin und seine sieben Kinder und würgten alle nieder, dass ihr Blut zu Tale rann, und dann stürzten sie sich von dem Berge wütend in die Abgründe. Aber jener Leiber erwuchsen zu riesigen Bergen, und so steht er noch, der König Watzmann, eisumstarrt, ein marmorkalter Bergriese, und neben ihm, eine starre Zacke, sein Weib, und um beide die sieben Zinken, ihre Kinder - in der Tiefe aber hart am Bergesfuß ruhen die Becken zweier Seen, in welche einst das Blut der grausamen Herrscher floss, und der große See hat noch den Namen Königssee, und die Alpe, wo die Hunde sich herabstürzten, heißt Hundstod, und gewann so König Watzmann mit all den Seinen für schlimmste Taten den schlimmsten Lohn und hatte sein Reich ein Ende.

 (Quelle: Ludwig Bechstein,  Deutsches Sagenbuch)

 

Varianten der Watzmann Sage

 

In verschiedenen Varianten der Legende war es dann eine Bauernfamilie oder ein Hirtenhund mitsamt seiner Herde, die Opfer seiner brutalen Meute wurden. Daraufhin verfluchte eine Bäuerin den König, und flehte Gott, den verhassten König samt Familie zu versteinern. Seit diesem Fluch thront der König Watzmann also versteinert über dem Berchtesgadener Tal. Die Stelle, an der Watzes Hund in den Tod stürzte, kennt man heute als Hundstod. Eine weitere Variation der Sage besagt, das Blut der Königsfamilie floss zusammen und bildete den Ursprung des Königssees sowie des Obersees!

 

Die Watzmannsage bei Ludwig Ganghofer

 

Der berühmte Heimatschriftsteller Ludwig Ganghofer verarbeitete diesen Mythos in seinem Roman „Die Martinsklause". Anlässlich der Nationalpark Festspiele 2010 wurde der Roman für die Bühne adaptiert und am Hintersee in Ramsau auf einer Freilichtbühne mit großem Publikumserfolg aufgeführt!